Fünf Fragen an Dr. med. Tobias Sprenger,

Facharzt für Allgemeinmedizin

Warum erkälten wir uns?
Grippale Infekte treten gerade wenn es kalt ist häufiger auf, weil dann die Durchblutung der Extremitäten gedrosselt wird, um einen Wärmeverlust zu vermeiden. Im Blut zirkulieren jedoch die weißen Blutkörperchen, die der Infektabwehr dienen. Durch die verminderte Durchblutung ist das Immunsystem in den Schleimhäuten daher weniger "präsent". Auch sind die Schleimhäute aufgrund der Austrocknung durch Heizungsluft besonders anfällig. Aus Sicht der anthroposophischen Medizin liegt das auch daran, dass wir uns nicht ausreichend gegenüber der Umgebung abgrenzen können. Wir müssen unseren Körper zu jedem Zeitpunkt ganz mit unserer eigenen Wärme durchdringen und die äußere Kälte überwinden. Gelingt das nicht, erkälten wir uns.

Wie kann man eine Erkältung vermeiden?
Wichtig ist immer die Abwehrkräfte zu stärken und sich warm zu halten. Den Wärmeorganismus kann man anregen durch Wechselduschen oder den Gang in die Sauna. Ausreichender Schlaf und eine ausgewogene Ernährung sind ebenso hilfreich wie die Meidung von schädlichen Einflüssen wie Rauchen oder Alkohol. Auch häufiger die Hände zu waschen hilft, denn Erkältungskrankheiten werden durch kleinste Speicheltröpfchen beim Husten oder Niesen übertragen. Eine große Rolle für das Immunsystem spielt zudem die seelische Befindlichkeit. Das ist eine Erfahrung, die wir alle schon gemacht haben: Freudige Erlebnisse und tiefe emotionale Beziehungen stärken die Abwehrkräfte. Man könnte hier über Wärme im übertragenen Sinne sprechen: sich für etwas zu begeistern, zu "erwärmen", und innerlich Anteil zu nehmen an seinem Umfeld.

Was hilft, wenn es einen doch mal erwischt hat?
Reichlich warme Flüssigkeit trinken, sich warm halten und viel Ruhe gönnen. Sport und körperliche Anstrengung sollte man besser vermeiden. Zur Anregung der Selbstheilung sind unterstützende Maßnahmen wie z.B. Inhalieren gut. Was dagegen wenig hilft sind Antibiotika. Denn bei einer Erkältung handelt es sich um einen Virusinfekt und Antibiotika töten nur Bakterien, keine Viren. Sie können sogar kontraproduktiv sein. Zum einen wegen des Risikos von Nebenwirkungen. Zum anderen wegen der Entstehung von Resistenzen bei Bakterienstämmen durch unsachgemäßen und zu häufigen Einsatz.

Nützen Impfungen etwas bei Erkältungen?
Nein. Gegen die üblichen Erkältungskrankheiten gibt es gar keine Impfungen. Die Grippeimpfung, die jedes Jahr angeboten wird, schützt nicht vor Erkältung oder Schnupfen sondern nur vor der "echten" Grippe, einem schweren Krankheitsbild, das von Influenzaviren ausgelöst wird. Diese Impfung ist nur für einzelne Patienten empfohlen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Vorerkrankungen besonders gefährdet sind.

Ihr persönlicher Tipp bei Erkältungen?
Ich schwöre auf Nasenduschen, natürliche Schleimlöser und Geduld. Bei Fieber sollte man auf keinen Fall zur Arbeit gehen. Das Fieber sollte man auch nicht medikamentös senken, weil es das beste Werkzeug zur Selbstheilung ist: Es regt unsere Immunreaktion an und hemmt die Vermehrung der Viren im Körper.

Dr. med. Tobias Sprenger ist Facharzt
für Allgemeinmedizin und medizinischer Direktor der Villavita, einer Tagesklinik
für ganzheitliche Medizin in Köln.
www.villavita-med.de